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Amselgrund Historisches

Aus Sachsens Kirchen-Galerie

Als Fundstück der Woche dürfte ein Auszug aus der Kirchen-Galerie Sachsens um 1840 entdeckt worden sein.

Auszug aus Sachsens Kirchen-Galerie 1840

Der Text in lesbarer Form

R a t h e w a l d e, sonst Rattewalde, vielleicht richtiger Radewalde, wie Radeberg, Radeburg, Radebeul.
Von der Linde weg nähert man sich bergabwärts dem Filialdorfe von Stürza. Rathewalde, daß man immer vor sich sieht. Dieser Ort, in einem angenehmen Thale, zum Amte Pirna gehörig, bietet ebenfalls schöne Punkte dar, die das Gefühl für die Schönheiten der Natur nicht wenig ansprechen. Nördlich führt die Straße nach Lohmen. Bei der Schenke vorbei, über deren Hausthüre zu lesen ist: "zur Erholung von der Bastei," links nach dem ½ St. entfernten Hohnstein auf einer gut gehaltenen mit Bäumen bepflanzten Chaussee, von der man rechts nach der Ziegelscheune und dem Hocksteine kommt, genießt man die auf der Linde reizende Aussicht auch hier, jedoch etwas beschränkter.

Hinter dem Erbgerichte öffnet sich eine tiefe Schlucht von einer Menge an einander gereihter , mit Waldungen besetzter Berge. Nordwestlich, am Ende einiger der zu diesem Dorfe gehörigen Felder, ist die Basteistraße, und über diese hinaus haben etliche Bauern ihre Büsche, die zum Theil gut gehalten sind. Bei der in der Nähe der Kirche befindlichen obern Mühle, führt der Weg an der untern Mühle in das sogenannte Amselloch und nach Rathen, wohin in der schönen Jahreszeit so Viele hin und her lustwandeln.

Hausnummern hat der Ort 66, es sind daselbst 2 ganze Hüfner, 1 anderthalb Hüfner, das Erbgericht mit 2½ Hufe, 6¾ Hüfner, 6 Halbhüfner, 1¼ Hüfner, 44 Häusler, 2 Mühlen, 1 Schmiede und 1 Spritzenhaus. Die Einwohner, im Ganzen 450 Seelen, treiben etwas Ackerbau und Viehzucht, und sind großentheils Steinbrecher. Wie viele aber sind schon Krüppel geworden, wie viele haben ihr Leben verloren! 2 Bauern handeln mit Karpfen, die sie aus der Gegend von Bischofswerda holen und die ganzen hier umliegenden Ortschaften damit versorgen.

Die Kirche, in welcher der Pastor zu Stürza alle 14 Tage Nachmittags, und alle 4 Wochen Vormittags predigen und Communion halten muß, eine der ärmsten im Lande, daher auch von allen Abgaben frei, so wie die Schulwohnung - beide sind im Jahre 1639 abgebrannt. Dieser Brand vernichtete auch das Kirchenbuch; aber der damalige Kirchvater Mitreuter schenkte der Kirche 1649 ein neues, das noch vorhanden ist. Den Altar ließ der damalige obere Müller, Martin Hanewald, auf seine Kosten bauen, und die sehr wandelbare Bekleidung desselben setzte die Commun 1825 wieder in guten Stand. Vor ungefähr etlichen 60 Jahren hatte die hiesige Kirche noch keine Orgel; allein da die Orgel in der Stadt Wehlen für ihre Kirche zu klein war, so wurde sie an die Commun zu Rathewalde verkauft. Sie ist zwar ziemlich alt, aber immer noch gut und brauchbar, nur wäre zu wünschen, daß sie einmal gestimmt würde.
Auf dem Thurme sind 2 Glocken, von einem gewissen Andreas Herold 1695 gegossen, worauf die Namen des damaligen Pfarrers Zimmermann, des Schullehrers Franke und der Kirchväter Stenke und Kunath stehen.

Die Schulwohnung wurde vorm Jahre repariert und die Schulstube erweitert. Einige der vormaligen, allhier verstorbenen, Lehrer sind: Eckhardt, Kirsten, Schütze; Judeich lebt noch als Emeritus, und der jetzige seit 1837, ist Herr Carl Gottlieb Mayer, von Jacobsthal bei Strehla, 36 Jahre alt. Die Anzahl der Schulkinder ist 70, als: 36 Knaben und 34 Mädchen.

Zu den Einkünften des Lehrer gehören 60 Schfl. Feld und 6 Schfl. Wiesen, sind aber verpachtet. Das Fixum besteht in 152 Thlrn.; Deputatholz bezieht er mit dem Pfarrer zu Stürza aus dem hiesigen Pfarrbusche. Die an der Schulwohnung liegenden 2 Teiche sind, mit der daranstoßenden, und mit der im Pfarrbusche befindlichen Wiese, Eigenthum des Pfarrers und verpachtet.

Ehedem hat Rathewalde seinen eigenen Pfarrherrn, aber im Jahre 1622 wurde es ein Filialdorf von Stürza; die Ursache dieser Veränderung ist nicht bekannt.

Der Kirchhof zeichnet sich durch nichts aus, als blos durch 3 neu aufgerichtete Grabsteine. Ein Theil der ihn umgebenden Mauer, nach den Teichen zu, hat eine Bretwand, aber die Seite nach der Straße ist von Stein, mit 2 neuen Thüren versehen und fällt gut in die Augen. Die Linde neben dem Erbgerichte, so wie die in Hohburkersdorf, sind, dem Umfange und der Stärke nach, viele 100 Jahre alt.

An Armen fehlts auch hier nicht, denen es aber an Unterhalt von Seiten der Commun nicht mangelt. Feuersgefahren, die durch Gottes Gnade glücklich abgewendet worden sind, haben Rathewalde oft in Furcht und Schrecken versetzt. Sehr rühmlich von diesem Orte ist's, daß die Straßen gut gehalten werden, und alljährlich viel Zeit und Mühe darauf verwendet wird. Ueberhaupt herrscht hier eine lobenswerthe Ordnung.

Zur leichtern Einführung des Dresdner Gesangsbuch erhielt Rathewalde vom hochlöbl. Ober-Consistorio zu Dresden 25 Thlr.

Christioph Heinrich Oeser,
Pastor zu Stürza mit dem Filial Rathewalde

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